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Redaktionelle Berichte | 28.09.2010 – 20.10.2010
Aufbruchstimmung beim Deutschen Waldensertag in Mutschelbach
Als glanzvoller Bestandteil des Mutschelbacher Festkaleidoskops wird der „Waldensertag" in die Annalen der Ortschaft eingehen. Die Deutsche Waldenservereinigung, um die Pflege der Traditionen und den Kontakt unter den Waldenserorten bemüht, war voll des Lobes über die Organisation der Großveranstaltung. Für die Arbeit nach vorne sei das Ereignis im Hinblick auf die Vernetzung der Strukturen ein ermutigendes Signal gewesen, so das Fazit ihres Präsidenten Herbert Temme. Chorales Blasen des Posaunenchores Kleinsteinbach war der akustische Auftakt für eine gute Visitenkarte der Kirchenmusik. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat", diese Bibelworte standen für den besonderen Tag in der Sommerfesthalle und in der Waldenserkirche. Mit seinen 1080 Gemeindegliedern sei Mutschelbach eine kleine, aber aktive Gemeinde, machte Kirchengemeinderatsvorsitzender Jürgen Gessner deutlich, der die Gäste willkommen hieß und die Grüße von Ortspfarrer Benjamin Simon überbrachte. Eine intakte Gemeinschaft hat die anspruchsvolle Aufgabe gemeistert, anerkannte Jürgen Gessner die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer, wobei er stellvertretend Kirchengemeinderat Bertram Rausch und die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Karin Schmidt besonders erwähnte. Auf die Botschaft des Tages, den Museumsbereich in den Focus zu rücken, verwies Präsident Herbert Temme, trage doch das Eintauchen in die Waldenservergangenheit zur Aufbruchstimmung, zum Bewusstsein „Waldenser zu sein" maßgeblich bei. Mutschelbach sei stolz darauf, Tagungsort der Waldenservereinigung sein zu dürfen, sagte Ortsvorsteher Rolf Bodemer, der die Bewältigung des von den Waldensern in ihrer langen und bewegenden Geschichte erlebten als gelungene Integration mit Vorbildcharakter wertete. Mit markanten Daten wartete Bürgermeister Rudi Knodel auf. Er erinnerte an die 14 Waldenserfamilien, die 1701 nach Untermutschelbach kamen und sich durch Fleiß und Tüchtigkeit etablierten. Sie seien ein Glücksfall und ein Segen für die Gemeinde, für das Bocksbach- und Pfinztal gewesen. Grüße aus dem französischen Merindol überbrachten die Vizepräsidentin des Freundeskreises der Partnerschaft mit Ötisheim, Christiane Aquitton und der Vorsitzende der französischen Waldenservereinigung Jean-Lois Dias. Beide waren von der Gastfreundschaft beeindruckt und betonten, dass bei solchen Treffen sich auch junge Leute für die Geschichte begeistern lassen. Als charmanter Übersetzer fungierte der Historiker Albert de Lange. Traditionen sind Leuchtfeuer am Wege, dafür seien Museen ein Instrument, bemerkte Volker Fritz, Klinikpfarrer und stellvertretender Vorsitzender der Landessynode. Das unterstrich auch Landtagsabgeordneter Werner Raab, der die Museen als Gedanken des Wissens und des Zeitgeistes bezeichnet. Erst der Blick auf die historischen Leistungen, so Werner Raab, „führt uns das von den Waldenser Geschaffene vor Augen". Beim Thema Heimat dürfen die Verantwortlichen ihn an ihrer Seite wissen.
Thema Waldensermuseen und lebendige Brauchtumspflege
Gespannt waren die Zuhörer auf den Direktor des Luther-Hauses in Wittenberg, Martin Treu, der über Waldensermuseen: Nur Vergangenheit - oder Tor in die Zukunft? referierte. Auf vier Eckpfeilern gründet ein Museum. Das sind die Besucher, die Sammlungen, die Räume und die Ausstellungskonzeption. Sie alle sind für den langfristigen Erfolg unabdingbar. Martin Treu gab den Besuchern mit auf den Weg, sie mögen Museen nach außen öffnen, um gesellschaftliche Relevanz einsichtig zu machen. Schließlich bedarf die Bewahrung des Brauchtums der Zukunft von Museen. Waldensisches Brauchtum erfüllte die Räume der Grundschule. Davon konnten sich die Gäste bei Musterschauen der Waldenserorte Gottstreu/Gewissenruh, Nordhausen und Neuhengstett überzeugen. Bei allen Programmpunkten wurde deutlich, welche Bedeutung einem solchen Ereignis zukommt. So fanden die Impulsreferate für Museen zum Aufbau mit Albert de Lange, zur geistlichen Ausrichtung mit Thomas Ende und zur Darstellung mit Kai Weidenmann ein aufmerksames Publikum. Das galt ebenso für die Ortsführungen mit Karlfriedrich Konstandin und Jürgen Gessner. Unterhaltsames wurde auch den Kindern geboten. Frauen in Waldensertrachten belebten das bunte Bild. „Solche Anlässe geben mir Gelegenheit, die schmucken Kleidungsstücke anzuziehen", erzählte Angie Jourdan aus Stuttgart, die mehrere Jahre in Torre Pellice, der italienischen Heimat ihrer Vorfahren lebte. Für sie ist Geschichtskenntnis und Traditionsbewusstsein sehr wichtig. Das bekundeten auch Herta Clour und Walter Renaud aus Neureut-Süd dem früheren Welschneureut. Im Blickpunkt des Abschlussgottesdienstes stand die Predigt von Prälat i.R. Helmut Bariè. „Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus Christus der Herr ist, so wirst du errettet." Im Glauben an den Sieg Christi die Niederlage abwenden, das haben die Waldenser in ihrer leidvollen Geschichte hundertfach erlebt. Durch ihre Lebensweise sind sie zu Gott bekennenden Christen geworden. Möge der Geist des Tages weiterwehen, war der Wunsch von Prädikantin im Kirchenbezirk Alb-Pfinz Claudia Ewald. Vielfältig auch die musikalische Umrahmung der einzelnen Veranstaltungen mit Gospelchor unter der Leitung von Walter Münchgesang und mit dem Kirchenchor unter der Stabführung von Annemarie Friedrich. „Aufwiedersehen 2011 in Ötisheim", rief Herbert Temme den Teilnehmern vor ihrer Abreise zu.
v.l.n.r. Bürgermeister Rudi Knodel, Herbert Temme, Francis Guillaume, Christiane Aguiton, Thomas Ende, Dr. Albert de Lange, Dr. Martin Treu, Jean-Louis Dias, Claudia Benz und Ortsvorsteher Rolf Bodemer (Rolf Bodemer und Rudi Knodel ehrten die Personen für ihre Verdienste um die Waldenservereinigung mit dem "Heimatbuch Mutschelbach).
Referat von Dr. Albert de Lange über Aufbau und Gestaltung eines Waldensermuseums. Fotos: Gemeinde Karlsbad